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Herr der Steine

Melchow (MOZ) Wenn sich auf großen Kuchenblechen Unmengen Dominosteine aneinanderreihen, steht Weihnachten vor der Tür. Bäckermeister Robby Haupt fertigt diese braunen Leckereien jetzt praktisch im Akkord. Vor allem Stammkunden sind ganz verrückt nach den süßen Würfeln.

 Aufgetaucht: Der Melchower Bäckermeister Robby Haupt        verpasst seinen Dominosteinen, die nach einem Rezept eines    Onkels gefertigt werden, den letzten Schliff. Viele Kunden kommen wegen dieser süßen Würfel extra zu ihm. © MOZ/Sergej Scheibe

Aufgetaucht: Der Melchower Bäckermeister Robby Haupt verpasst seinen Dominosteinen, die nach einem Rezept eines Onkels gefertigt werden, den letzten Schliff. Viele Kunden kommen wegen dieser süßen Würfel extra zu ihm. © MOZ/Sergej Scheibe

 

 

Ein Duft aus Pfefferkuchen, Marzipan und Fruchtgelee hüllt den Konditorraum in ein Paradies für Naschkatzen. Der 36-jährige Robby Haupt findet das allerdings weder aufregend noch romantisch. Denn in dem Raum mit den vielen Regalen, Blechen, Töpfen und Schalen hat er seinen Arbeitsplatz. Viele beneiden den schlanken jungen Mann wahrscheinlich in diesen Tagen - weil er so nah an der Weihnachtsgebäck-Quelle zu finden ist.

Aber was auf den ersten Blick vielleicht wie ein lockerer Backkurs aussieht, hat nichts mit Spielerei zu tun. Denn nur mit seinem Fachwissen, seinem handwerklichen Können und dem richtigen Gespür bringt der Melchower jedes Jahr wieder seine Kunden zum Dahinschmelzen. "Ich bin süchtig nach den Dominosteinen", berichtet Katrin Schrieder, die mehrmals in der Woche an dem kleinen Geschäft an der Alten Dorfstraße vorbeikommt.

Genau an dieser Stelle eröffnete vor 93 Jahren der Uropa des heutigen Ladenchefs eine Bäckerei. Später übernahmen Robby Haupts Opa und anschließend sein Onkel die Werkstatt. "Ich arbeite jetzt hier in vierter Generation", betont der Meister stolz.

Vieles macht er noch genauso wie seine Vorgänger. Das spezielle Dominostein-Rezept entwickelte ursprünglich sein Onkel. Nachzulesen ist das in einem alten Rezeptbuch. Doch in welcher Menge welche Zutaten zusammengemischt werden, behält Robby Haupt für sich.

"Auf jeden Fall gehört die Herstellung der Dominosteine zu den aufwendigen Weihnachtsspezialitäten. So muss der aus vier Schichten bestehende Teig zunächst eine Woche lang durchziehen. "Damit sich die einzelnen Bestandteile miteinander verbinden", erklärt der Meister: Die Pfefferkuchenschicht mit der Marzipanmasse und dem Fruchtgelee, die wiederum von Pfefferkuchenteig abgedeckt wird.

Erst nach diesem "Reifeprozess" geht es an die Gestaltung der Steine. Dazu legt der Chef ein Lineal auf den glatten Teig, markiert im Abstand von drei Zentimetern und setzt dort anschließend das Messer an. 247 gleich große Stücke holt er jeweils aus einem großen Blech heraus. Zu diesem Zeitpunkt sind die allerdings vom Endergebnis noch weit entfernt: Nur nackig und hellbraun liegen sie da.

Erst durch das Eintauchen in eine flüssige Schokoladenmasse bekommen sie den festen, dunklen Überzug. Nach etwa zehn Minuten kann der Qualitätstest beginnen. Robby Haupt greift sich einen fünf Zentimeter hohen Dominostein heraus und beißt mit geschlossenen Augen hinein. "So muss er schmecken", lautet sein zufriedenes Urteil. Dass man davon richtig abbeißen kann, sei auch das Besondere an seinen Traditionssteinen. "Die aus den Supermärkten sind dafür viel zu klein." Auf jeden Fall muss es dabei ein bisschen knacken im Mund. Dieses Geräusch wird erzeugt, weil Robby Haupt groben Zucker in die Marzipanmasse rührt. Er verdrückt in diesen Tagen zur Kaffeezeit oft einen Würfel, der ein bisschen nach Butter und Honig schmeckt.

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